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Computer im Lateinunterricht - Überlegungen und Erfahrungen

Inhalt

Die Ausgangssituation
Erfahrungsbericht
Grammatikarbeit
Übersetzungsarbeit mit Material aus dem Internet
Pädagogische und didaktische Begründungen Der Computer als Medium
Fazit
Praktische Hinweise
Beispiele
Literatur

Einleitung

Die moderne Informationstechnologie stellt dem Lateinlehrer eine unüberschaubare Fülle von Möglichkeiten und Materialien bereit. Dennoch wird der Computer immer noch sehr selten im Lateinunterricht eingesetzt. Selbst diejenigen Kollegen, die sich für ihre privaten Zwecke oder für die Unterrichtsvorbereitung der modernen Informationstechnologie bedienen und diese Kenntnisse leicht auch für die Schule selbst nutzbar machen könnten, bedienen sich dieser Technik kaum. So liegt ein Feld brach, das für den Lateinunterricht, ja für die Schule insgesamt fruchtbar werden könnte.

Im folgenden soll nun untersucht werden, wie der Computer im Lateinunterricht verwendet werden kann und warum eine solche Neuerung in der Methode sinnvoll ist.


Die Ausgangssituation

Zunächst ist zu fragen, was der Verwendung des Computers im Wege steht. In erster Linie kennen sich viele Kollegen nicht so gut mit Computern aus, als dass ihnen eine Arbeit mit Schülern an diesen Geräten angeraten erschiene. Fortbildungsmaßnahmen sind nötig und werden auch in Angriff genommen; auch an die Lehrerausbildung wäre hier zu denken.

  • Sodann fehlt es an Erfahrung. Wer am Montag morgen in der ersten Stunde mit der Klasse 9 den Lateinunterricht am Computer durchführen möchte, der kann sich nicht in dem Maße auf einen Erfahrungsschatz verlassen wie der Kollege, der auf die bewährte Arbeit am Lehrbuch zurückgreift.
  • Zum dritten leuchtet vielen nicht ein, welchen Gewinn der Lateinunterricht aus der Verwendung des Computers ziehen könnte. Es handelt sich hier also um ein reines Begründungsproblem.
  • Viertens fehlt eine Didaktik für den Unterricht am Bildschirm.

Woran es allerdings nicht mangelt, das ist das Material, auf dem der Unterricht aufbauen kann.
Das Angebot an sinnvoller Software nimmt allmählich zu. Einige der Verlage, die solche Software anbieten, findet man bei bildung-online. Allerdings stößt man, sobald man die entsprechenden Lizenzen erwerben will, auf das Problem der Finanzen. Wenn überall die Gelder knapp werden, mag es im Einzelfall unmöglich oder sehr schwierig sein, neue Software zu erwerben. Ohne diese Software bewerten zu wollen, versuche ich deshalb im Folgenden zu zeigen, wie man auch ohne irgendwelche Anschaffungen auf Schulkosten die neue Methode ausprobieren kann.
Das Internet hält eine Fülle von Texten für den Lateinlehrer bereit. Dazu unten mehr.
Dieses Material kann mit Hilfe der Bürosoftware, also vor allem der Textverarbeitungsprogramme, wie sie etwa Microsoft , Sun Microsystems (StarOffice) oder Lotus (Word Pro) anbieten, den Schülern zugänglich gemacht werden. Zusätzlich lassen sich mit diesen Programmen auch sinnvolle Übungsvorlagen für den Computer erstellen.

Diese Bürosoftware hat folgende Vorteile:

  • sie dürfte an den Schulen ohnehin im Regelfalle vorhanden sein, da sie für die Unterrichtsfächer benötigt wird, in denen die Schüler in die Arbeit am Computer eingeführt werden (in Baden-Württemberg: Informationstechnische Grundbildung [ITG] im Rahmen des Mathematik- Unterrichts der 8. Klasse).
  • sie ist sehr "mächtig", d.h. sie hat eine Fülle von Funktionen. Das wird ihr bisweilen von Kritikern als "Behäbigkeit" angekreidet; es ist jedoch, wenn man anspruchsvolle Tabellen erstellen will, von Vorteil.
  • sie ist insofern ausgereift, als die Probleme überschaubar sind. Jedes Programm enthält Fehler, und die Fehler von neuen Programmen muss der Benutzer (hier: der Lehrer) erst herausfinden.
  • Unterricht, der auf der gängigen Büro-Software aufbaut, ist immer zugleich fächerübergreifend; die Schüler lernen, ohne dass dies im Unterricht eigens thematisiert werden müsste, eine wichtige Arbeitstechnik.

Ein Nachteil ist allerdings nicht zu übersehen: Wenn man für jede Stunde neue Arbeitsblätter mit Hilfe eines Textverarbeitungsprogramms erstellt, so ist das relativ zeitaufwendig. Wer öfter mit Klassen am Computer arbeitet, der wird sicher auch auf die bereits entwickelte Lernsoftware zurückgreifen. Möglich ist allerdings auch, dass die Kollegen, die mit Schülern am Computer arbeiten, eine Sammlung der verwendeten Dateien erstellen, auf die jeder zurückgreifen kann. Diese gemeinsame Verwendung der Ressourcen ist ja gerade bei digitalisiertem Arbeitsmaterial, also bei Arbeitsblättern, die auf Festplatte oder Diskette gespeichert sind, besonders einfach.
Schöne Ergebnisse kann man erzielen, wenn man sich auf die Makro-Programmierung mit WordBasic einlässt, aber das dürfte wohl nur etwas für Fortgeschrittene sein.

Im folgenden werde ich mich auf die genannten Desiderate konzentrieren; ich werde also von Erfahrungen mit dem Lateinunterricht berichten, die ich selbst gemacht habe, um darauf zu untersuchen, wie diese Erfahrungen sich, auch im Blick auf eine künftige Verbreitung dieser Arbeitsform, in didaktischer und methodischer Hinsicht auswerten lassen.

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Erfahrungsbericht

Im Schuljahr 1996/97 habe ich am Albert-Einstein-Gymnasium in Ravensburg den Lateinunterricht in den Klassen 7, 8 und 10 (jeweils Latein als 2. Fremdsprache) zu einem guten Teil im Computerraum der Schule abgehalten. Der Unterricht fand allerdings nicht durchgehend am Bildschirm statt; in den Klassen 7 und 8 begann er z.B. mit der üblichen Besprechung der Hausaufgaben, die wie gewöhnlich mit Hilfe des Lehrbuchs zu erledigen waren. Die Schüler saßen in den Bankreihen in der Mitte des Computerraums. In der anschließenden Grammatikphase begaben sich die Schüler an die Bildschirme, und zwar in Paaren oder Gruppen von bis zu drei Schülern. Zu den Computern ist zu sagen, dass auf den Festplatten das Betriebssystem Windows 3.11 und (u.a.) die Programme Works und Word von Microsoft installiert sind; für die Schüler ist es möglich, von Diskette geladene Dateien zwischenzuspeichern, aber nicht, die Festplatte zu verändern. Jede Gruppe erhielt eine Diskette mit vorbereiteten Dateien. Die Namen des jeweiligen Programms und der Datei, die geladen werden sollte, wurden an die Tafel geschrieben, damit die Schüler wussten, was zu tun ist. Ein Beispiel für ein einfaches Grammatikprogramm, das jeder Benutzer von Word mit ein wenig Erfahrung selbst nachbilden kann, ist im Anhang angefügt. Wer sich weiter über das vielfältige und ständig wachsende Angebot an Unterrichtsmaterial, welches auf dem Computer benützt werden kann, informieren möchte, kann z.B. bei der ZUM fündig werden.

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Grammatikarbeit

Die Arbeit mit dieser Tabelle in der Kl. 10 verlief nun so: Die Schüler öffneten die Datei. Nach zwei bis drei Unterrichtsstunden am Computer ging das in allen Klassen reibungslos vonstatten. Die Schüler "zogen" nun mit dem sog. "drag&drop" - Verfahren die passenden lateinischen Wörter in die dafür vorgesehenen Zellen (Kästen) der Tabelle, oder in einer anderen Version füllten sie Tabellen aus, arbeiteten mit Lückentexten etc. Die Möglichkeiten, welche die erwähnten Programme bieten, sind sehr vielfältig.
Der Lehrer zieht sich entweder ganz zurück oder geht zu einzelnen Gruppen bzw. Paaren und bespricht Probleme, die bei der Bearbeitung der Aufgaben entstehen. Die Lösung wurde schließlich über eine Folie mit dem Tageslichtprojektor an die Wand projiziert.
Eine Variante ist die Erstellung einer Tabelle mit einem Tabellenkalkulationsprogramm, das auch zur normalen Ausstattung eines Schulcomputers gehören dürfte. Eine solche Tabelle ist auch leicht erstellt; man muss im Prinzip nur wissen, wie man die Breite der Spalten verändert und die Tabelle formatiert. Wiederum wird eine Folie mit den richtigen Ergebnissen auf den Tageslichtprojektor gelegt. Es ist allerdings auch möglich, die Programme mit einigen einfachen Funktionen so einzurichten, dass sie anzeigen, ob die Ergebnisse, die die Schüler in die Tabelle eingetragen haben, richtig sind. Allerdings lassen sich die Ergebnisse nicht effektiv verbergen, wenn man nicht über Programmierkenntnisse verfügt, d.h. dass findige Schüler die Liste mit den richtigen Ergebnissen entdecken können.
Übrigens gibt es hierzu auch Material aus dem Internet; z.T. auf dem oben erwähnten ZUM-Server, aber auch auf den Grammatik-Seiten des Bildungs-Servers EducETH der ETH Zürich
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Übersetzungsarbeit mit Texten aus dem Internet


Die Basis für die Arbeit mit Texten ist das Internet. Hier kann man so gut wie alle lateinischen Texte im Original finden, die in der Schule verwendet werden. Die entsprechenden URLs (Internet-Adressen) hat Franz Peter Waiblinger in seinem Artikel "Alte Sprachen und neue Medien" in FORUM CLASSICUM 2.1997 (über die Landesverbände des Deutschen Altphilologen-Verbandes zu beziehen) aufgelistet; dort kann man sich auch über den Umgang mit diesem Medium informieren. Auf dieser Website finden Sie eine Linkliste mit dem Titel Latlink.htm

Die Frage, die künftig größere Aufmerksamkeit erfordern dürfte, ist diese: Was macht man denn nun ganz konkret mit den aus dem Internet gewonnenen digitalisierten Texten? Hier kann ich nur von meinen Erfahrungen berichten, die nach meinem Eindruck zeigen, dass es sich lohnt, diese Arbeitsform weiterzuentwickeln. Das Entscheidende scheint mir zu sein, dass die Schüler auf diese Form des Lateinunterrichts sehr positiv reagierten.
Um mit dem Textverarbeitungsprogramm Word von Microsoft zu arbeiten, gehe ich wie folgt vor:

  • die Dateien, die ich aus dem Internet geholt habe, und die in HTML oder im txt-Format vorliegen, rufe ich (am heimischen Computer) unter Word auf und formatiere sie so in .doc-Dateien um.
  • Mit dem Befehl "Tabelle einfügen" im Menu "Tabelle" erstelle ich eine Tabelle mit zwei Spalten und fünf bis sechs Zeilen ("Gitternetzlinie" im Menu "Tabelle" muss dazu immer aktiviert sein), markiere dann die Kapitel, Sätze oder Textabschnitte einzeln und ziehe sie (per drag&drop) nacheinander in die Zellen der linken Spalte der Tabelle.
  • In die rechte Spalte füge ich nun Anmerkungen, Übersetzungshilfen oder Vokabelangaben ein.
  • Die so erstellte Datei wird (über den Windows-Explorer [Win 95] bzw. Dateimanager [Win 3.x]) auf eine ausreichende Anzahl Disketten überspielt.
  • Im Unterricht bekommen die Schüler wiederum die Disketten ausgehändigt; sie laden die Dateien und "teilen" das Arbeitsblatt mit dem Befehl "Teilen" im Menu "Fenster", so dass im oberen Fenster die Tabelle mit dem lateinischen Text erscheint. Im unteren Fenster haben die Schüler die Übersetzung, die sie gerade über die Tastatur eingeben, vor Augen. In einer solchen Unterrichtsstunde wird also kein Papier verwendet.

Die Schüler haben also auf dem Bildschirm sowohl den zu übersetzenden Text (bzw. die Sätze, die sie gerade übersetzen sollen) und ihre eigene Übersetzung. Sie können den Text nun zunächst optisch aufbereiten, um die Übersetzung zu vereinfachen, indem sie z.B. Subjunktionen und Prädikate in besondere Schriftarten setzen und dadurch hervorheben oder den Satz in einzelne Absätze unterteilen, so dass die einzelnen Konstruktionen deutlicher hervortreten. Auch Farbe lässt sich gut einsetzen.
Die Schüler diskutieren nun ihre Übersetzungsideen, einigen sich auf die Version, die ihnen am sinnvollsten erscheint, schreiben diese auf und speichern sie auf die Diskette. Am Ende der Stunde können die Ergebnisse, wie bei Gruppenarbeit üblich, im Lehrer-Schüler-Gespräch besprochen werden.
Für diese Übersetzungsphase gelten die Gesetze der Gruppenarbeit, und zwar sowohl für die Schüler als auch für den Lehrer. Eine gewisse "kreative Unruhe" muss in Kauf genommen werden. Zu den Aufgaben des Lehrers gehört, dass die Anweisungen, die ich am Anfang einer Arbeitsphase erteile, eindeutig und klar sein müssen; der Zeitrahmen muss den Schülern bekannt sein, und die Schüler müssen daran gewöhnt werden, die Arbeit nach einer entsprechenden Aufforderung auch tatsächlich zu unterbrechen, etwa wenn das Ergebnis überprüft werden soll. Umgekehrt habe ich bemerkt, dass es für mich zunächst ein gewisses Maß an Selbstdisziplin erforderte, mich für einige Zeit von der altgewohnten Lehrerrolle zu verabschieden und tatsächlich nicht in den Arbeitsprozess der Schüler einzugreifen, indem ich diesen etwa unterbrach, um zusätzliche Erläuterungen zu geben oder Fragen zu stellen. Derartige Unterbrechungen sind auch deswegen nicht sinnvoll, weil der Bildschirm die Aufmerksamkeit ungleich stärker fesselt als ein Blatt Papier. Er kann, wenn man bei der Organisation des Stundenablaufs nicht Acht gibt, in eine Art Konkurrenz zum Lehrer treten, die dann unnötige und unfruchtbare Reibungen erzeugt.

Ich habe den Eindruck gewonne, dass die Schüler die Arbeit am Computer schätzten. Zunächst waren sie etwas erstaunt oder gar enttäuscht, dass die Programme, die sie bearbeiten sollten, so gar nichts Spektakuläres hatten und dass es sich nicht um Spiele handelte. Insgesamt waren sie durch diese Arbeitsform meinem Eindruck nach stärker motiviert als durch die herkömmliche Arbeit, sei es Gruppen- oder Frontalunterricht.

Begründungen und didaktische Probleme

Die Frage, wie der Unterricht am Computer für das Fach Latein begründet werden kann, ist keine akademische Fingerübung, sondern ihr kommt eine zentrale praktische Bedeutung zu, da einige Widerstände gegen diese Neuorientierung des Lateinunterrichts vorgebracht werden, mit denen man sich sorgfältig auseinandersetzen muss. Erliegt das Fach hier nicht modischen Trends, biedert es sich nicht einer Kultur an, von der es sich doch gerade absetzen sollte? Computer können nur dann in höherem Maße im Lateinunterricht eingesetzt werden, wenn die Lateinlehrer dies als eine sinnvolle Aufgabe erachteten. Hier wird die Position vertreten, dass es gute Gründe dafür gibt, die moderne Informationstechnologie in den Lateinunterricht einzubeziehen.

Diese Begründungen können letztlich nur von einer allgemeinen Bestimmung der Aufgabe der Schule her entwickelt werden. Das kann hier nicht in extenso geschehen; ich habe in einem umfangreichen Manuskript, das bislang unveröffentlicht ist, dargelegt, welche Aufgaben die Schule sich heute vornehmen sollte. Hier müssen einige Hinweise genügen.
Die Begründungen des LU sind in dem Maße stichhaltig, als er eine sinnvolle Aufgabe im Konzert der Fächer erfüllt. Die Schule darf nicht jede beliebige an sie herangetragene Aufgabe übernehmen, aber sie darf sich, wenn sie sich in vernünftigem Sinne und Maße als modernes Dienstleistungsunternehmen versteht, gegenüber neu entstehenden Aufgaben nicht verschließen. Für die hier beschäftigende Frage ist dabei relevant, dass die Schüler auf die Arbeitswelt vorbereitet werden müssen. So unklar es auch ist, wie diese Arbeitswelt in Zukunft aussehen wird, so wenig dürfte doch bestritten werden, dass die moderne Informationstechnologie in ihr eine große Rolle spielen wird.
Der Computer gewinnt insbesondere dann seinen Sinn, wenn der Lehrer der Selbständigkeit einen hohen Rang als pädagogischem Leitbegriff zumisst.
Ohne weitergehende pädagogische Überlegungen geraten Veränderungen der Methodik leicht zum zufälligen und letztlich modischen Beiwerk.
Der Begriff der Selbständigkeit hat sich als gemeinsamer Kern in den Diskussionen um die Schulreform, die in den letzten Jahren geführt wurde, herausgeschält. Beispielhaft seien die Denkschrift der Kommission "Zukunft der Bildung" und das neueste Buch des norwegischen Bildungsforschers Per Dalin genannt (vgl. die Literaturliste). Die Begründungen des Lateinunterrichts sind in dem Maße stichhaltig, als er eine sinnvolle Aufgabe im Konzert der Fächer erfüllt. Die Schule darf nicht jede beliebige an sie herangetragene Aufgabe übernehmen, aber sie darf sich, wenn sie sich in vernünftigem Sinne und Maße als modernes Dienstleistungsunternehmen versteht, gegenüber neu entstehenden Aufgaben nicht verschließen.
Bisweilen wird hier eingewendet, dass einige Schüler bereits zu Hause Computer verwenden und daher auf den Computer in der Schule verzichten können. Aber dieses Argument überzeugt nicht. Mit gleichem Recht könnte man gegen den Literaturunterricht einwenden, dass es sehr wohl Elternhäuser gibt, in denen die Kinder an wertvolle Literatur herangeführt werden, und dass die Schule diese Aufgabe daher guten Gewissens an die Eltern abgeben dürfe.
Die Schule hat die Aufgabe, dafür Sorge zu tragen, dass jeder Schüler - und vor allem jede Schülerin, denn der Computer ist weitgehend, aus welchen Gründen auch immer, eine Domäne des männlichen Geschlechts - in seiner bzw. ihrer Schulzeit Sicherheit in dieser Form geistigen Arbeitens gewinnt. Neben das Argument der Chancengleichheit zwischen den Geschlechtern tritt so auch ein soziales Argument, denn schließlich besitzt nicht jede Familie einen Computer. Schließlich trägt die Schule auch eine Verantwortung dafür, dass die Schüler in die Lage versetzt werden, sich von einer so wichtigen kulturellen Realität wie derjenigen der Informationstechnologie selbst ein Bild machen können. Daher ist es auch durchaus am Platze, mit den Schülern auch über die verschiedenen Arbeitsformen zu reflektieren. Der Lateinunterricht hat zudem durch den Computer die einmalige Chance, die Zusammenarbeit mit anderen Fächern zu verstärken.

Didaktische und methodische Begründungen

Die zweite Linie der Begründungen ist didaktisch-methodischer Natur. Da ja auf keinen Fall zu erwarten oder auch zu wünschen ist, dass der LU vollständig auf Computer umgestellt wird, bietet es zunächst einfach einmal eine Variation, wenn ein Teil der zur Verfügung stehenden Stunden am Bildschirm stattfindet.
Zum zweiten kann man auf die Faszination hinweisen, die Computer ausüben, und auf das Vergnügen, das eine solche Arbeitsform bereiten kann - nur eine veraltete Sicht von Schule, Bildung und Erziehung wird das deswegen ablehnen, weil das Motiv des Vergnügens nichts in der Schule zu suchen habe. Alles, was motiviert, ist zuzulassen, sofern es nicht sachfremd ist. Warum soll der LU nicht Spaß machen, wenn dabei gleichzeitig die Ziele des Fachunterrichts verfolgt und erreicht werden? Wichtig ist nur, dass es nicht in erster Linie das Vergnügen und die Faszination des Lehrers sind, die hier befördert werden, sondern dass die Schüler im Mittelpunkt stehen.
Das wichtigste Argument für den Lateinunterricht am Computer scheint mir aber zu sein, dass bei dieser Arbeitsform die Schüler in weit höherem Maße am Unterrichtsgeschehen beteiligt sind als beim Frontalunterricht. Das liegt zum guten Teil an der eigentümlichen Kommunikationsstruktur des Computers: Der Bildschirm scheint den Benutzer permanent dazu aufzufordern, etwas zu tun und ein Ergebnis einzugeben. Theoretisch könnten die Schüler sich, wie es ja leider bei der üblichen Gruppenarbeit zu beobachten ist, in unbeobachteten Momenten vom Bildschirm abwenden, um zu plaudern oder andere unterrichtsfremde Dinge zu tun. Ich habe aber beobachtet, dass das sehr selten vorkommt.

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Der Computer als Medium

Die Arbeit vor dem Bildschirm führt die Schüler nicht nur in eine moderne und zukunftsweisende Technologie ein, sie wirft auch die Frage auf, wie ein Medium das in ihm Gedachte beeinflusst. Dabei beeinflusst jedes Medium das Denken, nur erscheint uns dieser Einfluss bei den Medien, die wir gewohnt sind, nämlich beim bedruckten oder beschriebenen Papier, als selbstverständlich und unschädlich.
Eine Eigenschaft des Papiers ist es, dass man einmal Geschriebenes kaum wieder entfernen kann. Beim Computer hingegen geschieht das auf Knopfdruck, wenn der Benutzer es will.
Neben die herkömmliche Arbeit mit dem Papier, bei der Fehler unnachsichtig festgehalten werden und bei der Lehrer und Schüler die Fehler analysieren, wird also in zunehmendem Maße eine Arbeitsform treten, bei der immer nur die jeweils neueste Version der Ergebnisse präsent ist, während die verworfenen Versionen, die "Fehler", verschwunden sind. Dabei ist es in Zweifelsfällen immer möglich, auch die fragliche ältere Version zu speichern. Das Lernen orientiert sich aber grundsätzlich eher am Positiven, der guten neuen Idee, als am Negativen, der Aufgabe nämlich, die Fehler zu überwinden. Dieses Prinzip kann durchaus belebenden frischen Wind in die Schule bringen, die, wie man sagen kann, systematisch an dem Fehler krankt, viel zu sehr auf die Fehler, also auf das Misslingen konzentriert zu sein, anstatt dem Gelingen Raum zu geben. Eine der Beobachtungen, die ich mit Klassen am Computer machte, war die, dass ich viel häufiger Ausrufe der Freude oder des Erfolgs hörte als beim herkömmlichen Unterricht.

Die Veränderung der Arbeitsform geht hier also nicht vom Denken aus, sondern von der Technik. Es gilt zu verstehen, dass auch das Schreiben auf Papier und das Lesen von gedruckten Büchern keine an sich selbst wertvollen Dinge sind, sondern sich von den Entwicklungen der Technik und der Kultur ableiten.

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Fazit

Die Möglichkeiten, die der Computer dem Lateinunterricht bietet, liegen offen zu Tage. Jetzt kommt es darauf an, Erfahrungen zu sammeln.
Dass sich Latein besonders für die Arbeit am Computer eignet, das liegt sicher an einer Affinität zwischen dieser Sprache und der ihr angemessenen Didaktik auf der einen und dem Medium Computer auf der anderen Seite. Beide treffen sich darin, dass sie in besonderem Maße nicht allein komplexes Denken, sondern Denken in Systemen beim Schüler fördern und trainieren. Friedrich Maier führt in seinem programmatischen Aufsatz "Latein auf gefestigter Basis in die Zukunft. Ansätze zu einer neuen Begründung des Faches" in FORUM CLASSICUM 1 das "Erfassen komplexer Zusammenhänge" als eines der vier übergreifenden Ziele des Lateinunterrichts an. Es erscheint mir als eine der erfolgsträchtigsten Strategien, wenn man diese Ziel auch in der öffentlichen Diskussion klar herausstellt. Wenn sich das Fach auch im Unterrichtsalltag den neuen Technologien öffnet, dann trägt das sicher auch dazu bei, seine Stellung in der Öffentlichkeit zu festigen.

  • Es ist sinnvoll, wenn der Raum, in dem der Unterricht stattfindet, neben den Computerarbeitsplätzen auch normale Sitzreihen mit Tischen oder behelfsweise einen Stuhlkreis enthält.
  • In jeder Gruppe, die vor einem Bildschirm sitzt, sollte immer mindestens ein Schüler sein, der Erfahrung mit Computern hat.
  • Die Arbeitsphase vor dem Bildschirm sollte möglichst nicht zu oft unterbrochen werden
  • Der Lehrer sollte nur Programme verwenden, die er selbst beherrscht, damit er auftretende Probleme zügig beheben kann; hier mag es auch sinnvoll und zudem pädagogisch fruchtbar sein, erfahrene Schüler als "Co-Trainer" einzusetzen.
  • Ein exakter Zeitplan ist hier wichtiger als im herkömmlichen Unterricht.
  1.  
  2. Beispiele

 


  1. Grammatik-Übung Latein 10
    Markiere die blauen Formen und ziehe sie in die passende Zelle!

    oblivisci didici disci serviat confitendo
    sequebar amem deficiat loquor dimisisti
    serviri amantem amandi amaverint posset

  Indikativ Konjunktiv Infinitiv Partizip Gerundium
Präsens

Aktiv

         
Päsens

Passiv

         
Deponens

Präsens

         
Imperfekt          
Perfekt

Aktiv

         

1.b.: Beispiel für einen Text (Cicero, Verres I 1), der über die Cicero-Seite im Internet gefunden und dann in eine Tabelle umgeformt wurde.


Quod erat optandum maxime, iudices, et quod unum ad invidiam vestri ordinis infamiamque iudiciorum sedandam maxime pertinebat, id non humano consilio, sed prope divinitus datum atque oblatum vobis summo rei publicae tempore videtur. ad...sedandam: beachte die Gerundiv-

konstruktion

tempus: hier "Gefahr"

Inveteravit enim iam opinio perniciosa rei publicae, vobisque periculosa, quae non modo apud populum Romanum, sed etiam apud exteras nationes omnium sermone percrebruit: his iudiciis, quae nunc sunt, pecuniosum hominem, quamvis sit nocens, neminem posse damnari.
percrebesco: von creber


Literatur
  • Rainer Busch, Lernen aus dem Netz. Multimedia und Internet - Anlaß für eine Bildungsreform. c't (Magazin für Computer-Technik) Juni 1997, S. 280-283
  • Nicola Döring: Lernen und Lehren im Internet, in: Bernad Batinic (Hrsg), Internet für Psychologen, Hogrefe 1997 , S. 359 bis 388 (mit einer umfangreichen Literaturliste zum Thema Informationstechnologie und Unterricht; das Kapitel kann als .pdf-Datei unter www.hogrefe.de heruntergeladen werden. Zum Lesen benötigt man den Acrobat-Reader von Adobe, der über die genannte Adresse ebenfalls zu beziehen ist.)
  • Franz Peter Waiblinger: "Alte Sprachen und neue Medien", in: FORUM CLASSICUM 2.1997
  • Friedrich Maier: "Latein auf gefestigter Basis in die Zukunft. Ansätze zu einer neuen Begründung des Faches" in: FORUM CLASSICUM 1, S. 1-8.


2. Version vom 15.11.97, aktualisiert 8.8.98
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